PCO Syndrom
Kraftprobe für den weiblichen Körper: zu viele männliche Hormone.
Sie haben Probleme mit der Haut, mit Ihrem Zyklus oder ver- suchen erfolglos schwanger zu werden. Das kann viele Gründe haben. Häufig ist jedoch das polyzystische Ovarsyndrom, kurz auch PCO-Syndrom genannt, daran schuld.
Das PCO-Syndrom macht sich durch Zyklusunregelmäßigkeiten und Zeichen einer Überproduktion männlicher Hormone bemerkbar. Dieses kann äußerlich in Form von Akne, vermehrter Körperbehaarung oder Haarausfall sichtbar werden. Häufig wird das PCO-Syndrom auch von Übergewicht begleitet.
Im Innern des Körpers verhindert die Überproduktion männlicher Hormone das Heranreifen der Eibläschen. Diese unreifen Eibläschen führen zu kleinzystischen Veränderungen der Eierstöcke. Der Eisprung ist gestört und der Kinderwunsch kann zunächst unerfüllt bleiben.
Ein gestörter Insulinhaushalt – häufig mitschuld an einem PCOS
Mitverantwortlich für das PCO-Syndrom ist oft eine Störung des Insulinhaushaltes, die sogenannte Insulinresistenz. Das bedeutet, dass das Zucker regulierende Hormon Insulin von den Körperzellen nicht mehr richtig erkannt wird. In der Folge steigt der Insulinspiegel übermäßig an. Langfristig führt die ständige Überproduktion von Insulin (Hyperinsulinämie) zur Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse: Es entsteht schließlich eine Zuckerkrankheit (Diabetes Typ II).
Häufig tritt diese Hyperinsulinämie in Kombination mit Über- gewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen auf, auch Metabolisches Syndrom genannt. Diese Kombination stellt eine schwere Bedrohung vor allem für Herz und Kreislauf dar. Die Insulinresistenz kann damit zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem werden!
Für jedes Ziel gibt es einen Weg
Bei der Behandlung des PCO-Syndroms stellt sich zunächst die Frage, welches Ziel man erreichen möchte.
Besteht kein Kinderwunsch, stehen meist die äußerlichen Begleiterscheinungen der vermehrten Produktion männlicher Hormone im Vordergrund, sprich die Akne, die verstärkte Behaarung oder auch der Haarausfall. Dieses Problem läßt sich meist mit einer sogenannten antiandrogenen Pille, sprich einer Pille, die die männlichen Hormone im Körper senkt, gut in den Griff bekommen.
Wünschen Sie nichts sehnlicher als ein Kind, muß man verständlicher Weise einen anderen Weg wählen. Hier gilt es nun zu differenzieren, um den für Sie richtigen Ansatzpunkt zu wählen.
Ist ein sogenanntes metabolisches Syndrom mit einer Insulin- resistenz Hauptverursacher des Problems, sind mögliche Ansatzpunkte eine Gewichtsreduktion, eine Behandlung mit Metformin, eventuell in Kombination einer leichten Anregung der Eierstockfunktion durch Tabletten (Clomifen) oder Spritzen (FSH). Schon allein mit einer Gewichtsreduktion läßt sich in einigen Fällen eine regelmäßige Eizellreifung und damit auch die Chance auf das Eintreten einer Schwangerschaft erreichen. Möchten Sie diesen Versuch machen, nutzen Sie ggf. auch die Hilfe einer Ernährungsberatung.
Metformin – ein Diabetikermedikament bei Kinderwunsch?
Das Medikament Metformin wird seit Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung von Zuckerkrankheit bzw. Insulinresistenz eingesetzt. Neuere Untersuchungen haben nun gezeigt, dass Metformin auch beim PCO-Syndrom in vielen Fällen zu einer Normalisierung der gestörten Monatszyklen führt. Ein Teil der Patientinnen konnte mithilfe von Metformin sogar ohne zusätzliche Maßnahmen schwanger werden!
Metformin bewirkt eine Verbesserung der Insulinwirkung (Verminderung der Insulinresistenz) bei gleichzeitigem Rückgang der männlichen Hormone. Das Medikament ist jedoch für diese Anwendung noch nicht offiziell zugelas- sen (sog. »off-label«-Therapie) - und die Krankenkassen übernehmen die Kosten zur Zeit noch nicht.
Nebenwirkungen: Normalerweise wird Metformin gut vertragen. Allerdings kommt es vor allem zu Beginn der Behandlung relativ häufig zu Übelkeit und Appetitverlust, vereinzelt auch zu Durchfall und Erbrechen.
Zur Verminderung dieser Nebenwirkungen sollte Metformin mit oder nach dem Essen eingenommen werden und die Dosis niedrig begonnen und langsam gesteigert werden. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Ihnen diese einschleichende Behandlung genau erläutern.
Und es gibt noch mehr Wege zum Ziel
Besteht ein Überschuß männlicher Hormone ohne meta- bolisches Syndrom, so ist ein möglicher Ansatzpunkt die Senkung des Anteils männlicher Hormone, der von der Nebenniere produziert wird. Dies läßt sich durch die Gabe des Nebennierenhormons Kortison (z.B. Predni H 5mg) erreichen. Die Einnahme erfolgt im Gegensatz zur üblichen Kortisontherapie erst in den späten Abendstunden. Durch die abendliche Gabe des Kortisons wird die nächtliche Hormon- produktion der Nebenniere reduziert, womit die Gesamtkon- zentration männlicher Hormone sinkt.



